Predigt zum Gründonnerstag in Stichworten:
1.Zweifellos emotional erzählt im heutigen Evangelium: Petrus, der sich zunächst auf keinen Fall von Jesus die Füße waschen lassen will; dann aber am liebsten gleich alles. - Petrus ein eifriger, "brennender", engagierter Jünger Jesu.
2. Aber leider einer, der Jesus hier nicht versteht. Petrus schaut mit dem Blick eines patriachal denkenden Mannes auf die Fußwaschung: Dann ist sie eine Tätigkeit für Frauen und Dienern; nicht aber für "Männer".
3. Petrus ist daher blind für die Funktionen der Fußwaschung. Drei möchte ich hier nennen:
3.1. Ein Mensch kniet oder bückt sich vor einem anderen: er zeigt damit: ich lasse dich groß sein; ich sage ja zu deiner Bedeutung und Würde.
3.2. Ein Mensch vermittelt Zärtlichkeit. Jesus hat das selbst erleben dürfen. Beispielsweise, als ihm die "Sünderin" mit ihren Tränen die Füße gewaschen hat. Die Füße sind sensibel; haben mehr Nervenzellen als das Gesicht; sind offen für Zärtlichkeit.
3.3. Ein Mensch bereitet Gemeinschaft vor: denn sich zu Tisch (oder ins Bett) legen mit staubigen, verschwitzten Füßen ist für die anderen nicht angenehm.
4. Petrus mißversteht Jesus auch, als dieser sagt: dann hast du keinen Anteil an mir.
Denn er interpretiert "Anteil" personenbezogen, so als könnte er sich Jesus anverleiben.
Aber Jesus meint Anteil an seiner Sendung. Seine Sendung ist im Zeichen der Fußwaschung ja offenbart: zärtliche Hinwendung zum Menschen; seine Würde achten und Gemeinschaft suchen.
5. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Nachfolger Petrus im Petrusamt entscheindendes dazugelernt haben in Sachen Fußwaschung - wohl aber Papst Franziskus:
- er verabschiedet sich von der Männerbezogenheit. Sehr berechtigt, denn wenn der 12-er Männerkreis einen Sinn hatte, dann als Sinnbild für die 12 Stämme Israels. Dieser Bezug war schon im frühen Christentum aufgehoben.
- er wäscht auch Nichtchristen die Füße, denn tatsächlich hat jeder im Volk Gottes, also in der Menschheit, dieselbe Würde.
- er zeigt: Auch die, deren Würde angetastet wird - im Gefängnis; als Flüchtlinge; als Behinderte - haben für uns niemals Würde verloren und: sie gehören zur Gemeinschaft.
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