2018-03-30

Fußwaschung - Petrus: der blinde Patriarch

Predigt zum Gründonnerstag in Stichworten:

1.Zweifellos emotional erzählt im heutigen Evangelium: Petrus, der sich zunächst auf keinen Fall von Jesus die Füße waschen lassen will; dann aber am liebsten gleich alles. - Petrus ein eifriger, "brennender", engagierter Jünger Jesu.

2. Aber leider einer, der Jesus hier nicht versteht. Petrus schaut mit dem Blick eines patriachal denkenden Mannes auf die Fußwaschung: Dann ist sie eine Tätigkeit für Frauen und Dienern; nicht aber für "Männer".

3. Petrus ist daher blind für die Funktionen der Fußwaschung. Drei möchte ich hier nennen:

3.1. Ein Mensch kniet oder bückt sich vor einem anderen: er zeigt damit: ich lasse dich groß sein; ich sage ja zu deiner Bedeutung und Würde.
3.2. Ein Mensch vermittelt Zärtlichkeit. Jesus hat das selbst erleben dürfen. Beispielsweise, als ihm die "Sünderin" mit ihren Tränen die Füße gewaschen hat. Die Füße sind sensibel; haben mehr Nervenzellen als das Gesicht; sind offen für Zärtlichkeit.
3.3. Ein Mensch bereitet Gemeinschaft vor: denn sich zu Tisch (oder ins Bett) legen mit staubigen, verschwitzten Füßen ist für die anderen nicht angenehm.


4. Petrus mißversteht Jesus auch, als dieser sagt: dann hast du keinen Anteil an mir.
Denn er interpretiert "Anteil" personenbezogen, so als könnte er sich Jesus anverleiben.
Aber Jesus meint Anteil an seiner Sendung. Seine Sendung ist im Zeichen der Fußwaschung ja offenbart: zärtliche Hinwendung zum Menschen; seine Würde achten und Gemeinschaft suchen.

5. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Nachfolger Petrus im Petrusamt entscheindendes dazugelernt haben in Sachen Fußwaschung - wohl aber Papst Franziskus:
- er verabschiedet sich von der Männerbezogenheit. Sehr berechtigt, denn wenn der 12-er Männerkreis einen Sinn hatte, dann als Sinnbild für die 12 Stämme Israels. Dieser Bezug war schon im frühen Christentum aufgehoben.
-  er wäscht auch Nichtchristen die Füße, denn tatsächlich hat jeder im Volk Gottes, also in der Menschheit, dieselbe Würde.
- er zeigt: Auch die, deren Würde angetastet wird - im Gefängnis; als Flüchtlinge; als Behinderte - haben für uns niemals Würde verloren und: sie gehören zur Gemeinschaft.

2018-03-14

4. Fastensonntag/B/2018: Johannesevangelium=Frauenevangelium?!? Fehlt mir Gott?

Donnerstag war Weltfrauentag - und tatsächlich stellt die Leseordnung seit letzten Sonntag von Markus (dem Evangelist des Lesejahres B) auf das "frauenfreundliche" Johannesevangelium um. 
Kleiner Scherz - aber tatsächlich kann das Johannesevangelium als "Frauen-Evangelium" gelten: ein Evangelium von Frauen für Frauen (und Männer) - so einfühlsam und zahlreich werden hier Begegnungen Jesu mit Frauen geschildert.
Heute aber ein Gespräch mit einem Mann - Nikodemus - nichts für Frauen???

Nikodemus: ein Mann - ein namhafter Mann - ein Gebildeter -  ein Frommer - ein auch moralisch Unangreifbarer!

Vergleichen wir mit einer Frau - ein paar Verse weiter im Johannesevangelium: 

die Frau am Jakobsbrunnen: eine Frau - namenlos, anonym - eine Ungebildete (wie sonst) - keine Fromme (sondern Samariterin) - eine moralisch Angreifbare (5 Männer und der jetzige ist nicht ihr Mann)!

Beide  werden von Jesus mit derselben Frage konfrontiert: Glaubst du, dass sich in mir Gottes Nähe zu den Menschen auf ganz neue Weise gezeigt und verwirklicht hat - dass ich der Messias bin? Übrigens schön zu sehen, wie sehr Jesus dialogisch auf die Welt der höchst unterschiedlichen Personen eingeht: bei der Frau knüpft er an das Brunnenwasser an, das sie gerade holt; bei Nikodemus an seine Bibelkenntnisse.

Und das Ergebnis: die Frau kann sich vorstellen, dass Jesus der Messias ist und erzählt es eilig weiter; der Mann kann es sich nicht vorstellen.

Aber warum nicht?
Weil diesem Mann - Nikodemus - nichts fehlt: 
Alles stimmt bei ihm; alles ist reflektiert; er meint Gott durch und durch zu kennen; er betet zu ihm, er erwartet ihn irgendwann; er weiß, was Gott von ihm und den Frommen will; er kennt die Gebote und hält sich daran. Er ist korrekt. Ihm fehlt nichts - am allerwenigsten fehlt ihm Gott. 
Den allzu Frommen fehlt Gott nicht. Jede Sehnsucht ist ihnen ausgetrieben. 
Die Frau hat Sehnsucht nicht verlernt.

Fehlt mir Gott?