2016-09-05

24. Sonntag i. J./C - kehren und finden

Gedanken zum Lukas-Text Lk 15,1-32 - nehmen wir mal den "Barmherzigen Vater" raus - bleiben wir beim Schaf und beim Geldstück:

- Wer beim kehren was finden will, muss sich bücken, muss knien, bekommt Staub in die Bronchien. Gott macht es in Jesus. Machen wir mit?
- Kein Schaf kehrt um: es hat "Angst", es rennt ziellos umher - Kein Geldstück kehrt um: es liegt nur einfach da. Bin ich nicht eher dieses Schaf oder dieses Geldstück als der "verlorene Sohn"
- Gott kümmert sich um das/den Einzelnen. Er geht vor. Wir sollten immer zuerst den Einzelnen sehen anstatt uns um Gesamtheiten, Parteien, Gruppen zu kümmern. Und auch die Kirche ist eins nur in den vielen und dann als Geschenk. Und der Papst ist nicht Herr der Einheit. Er ist ihr Diener.
Alfred Whitehead: The many become one, and are increased by one.

2016-08-29

22. Sonntag i. J./C - Jesus war kein Revolutionär

Lk 14,1.7-14 besser: Lk 14, 1-14

Jesus war kein Revolutionär:
- er kritisiert die Autoritäten, aber er erkennt sie an.
- er kennt und befolgt die Gebote und er fordert andere dazu auf.
und vor allem:
- er war "nach oben" gut vernetzt (hier: Essenseinladung)

aber:
Wenn es darum geht, Menschen zu zeigen, dass sie vor Gott ihre Würde niemals verlieren, auch wenn sie krank sind oder aussätzig (dh. Sünder), auch wenn sie als Frauen geboren sind oder als Ungläubige....
dann: "überspringt er Mauern", verletzt Gebote (bei dieser Bibelstelle das Sabbatgebot) oder macht sich unrein.
Und das öffentlich und nicht im Nebenzimmer; denn es ist seine Verkündigung.

Diesen Mut, diese Selbstsicherheit, diese Leichtigkeit wünsche ich uns allen!

2016-08-22

Wegschauen



"Wegschauen", ein Werk von Peter Wiener im überaus sehenswerten Kreuzweg am Berg zur Kirche St. Georgen bei Salzburg

2016-08-13

20. Sonntag i. J./C - das Herz ist ein Organ aus Feuer

Ich zitiere aus dem  Film "Der englische Patient" - frei übersetzt  -:
"Liebende sind zärtlich, ungeduldig und sie machen viel kaputt; denn das Herz ist ein Organ aus Feuer."

Dieses Feuer der Liebenden meint Jesus - der zärtliche - in der heutigen Schriftstelle aus dem Lukas-Evangelium.
Und er denkt an das Feuer des brennenden Dornbusch mit der Offenbarung Gottes: Ich bin da - für die Menschen.
So offenbart er sich auch - als Feuer, als leidenschaftlicher und zärtlicher Liebhaber, der nichts zerstören will.
Nicht einmal der lumpige Dornbusch verbrennt.

Und was folgt: Enttäuschung, denn nicht Frieden bringt diese Botschaft, sondern Spaltung.

2016-08-06

20. Sonntag i. J./C - Gutmenschen

Denn von nun an wird es so sein: Wenn fünf Menschen im gleichen Haus leben, wird Zwietracht herrschen: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter. 

Der Begriff Gutmensch wird in der Regel zur Denunziation verwendet. Man unterstellt ihm Blindheit und Dummheit, aber grenzenlose Hilfsbereitschaft.

Man kann Gutmensch aber auch vom oben zitierten Text aus dem Lukasevangelium her definieren: 
Er ist blind dafür, dass kein Mensch gut ist - er selbst am allerwenigsten.

Das ist eine Botschaft, die Angst macht; die Jesus Angst macht. 
Aber eine Botschaft, die gesagt werden muss und die Jesus auch sagt. 
Es ist keine frohe Botschaft. 
Die nur auszuhalten ist, wenn man - wie Jesus - glauben kann, dass der himmlische Vater in seiner Liebe zum Menschen nicht aufgeben wird.  




Engel queren


Achtung!

Engel queren deinen Weg!


2016-07-27

17. Sonntag im Jahreskreis C

Bitten

Karl hat zur selben Zeit in Würzburg studiert wie ich. Lange her. Die Pleich war damals ein kaputter Stadtteil und kein Vorzeigeviertel wie heute. Wir wohnten in einer Dreier-WG. Karl allein.
Karl war ein Meister im Bitten. Beispiele: Er stand mit einem Inder, den er gerade kennen gelernt hatte, an der Tür: Der will eine Woche in Würzburg bleiben. Nehmt ihn bitte auf; bei mir geht es gerade nicht.
Oder: Karl muss nach Nürnberg, morgen. „Bitte fahrt mich hin.“ Kein Problem, Karl, wird gemacht.
Genauso wie er bitten konnte, ließ er sich aber nicht lange bitten: Er war immer da, wenn er gebraucht wurde. Er fühlte mit, arbeitete mit, lieh, gab, war für dich da.
Anfangs versperrte er seine Zimmertür nicht. Wir könnten ja etwas brauchen und er war nicht da. Dann sollten wir es holen können. Der Haken bei der Sache: Die Tür ging direkt zur Straße auf - heute wohl unvorstellbar - und eine Kneipe war daneben. Da hat irgendein Besoffener mal ein WC gesucht.... Der Teppich war im Eimer und die Zimmertür von Karl blieb ab da zu.
Die Botschaft von Karl war:
Ich brauche dich und: ich bin für dich da, wenn du mich brauchst. Ich lass mich „brauchen“.
Wem brauchen zu prosaisch ist..auch Verliebte „brauchen“ sich - um sich aneinander zu freuen, um neue Welten zu entdecken und neue Wege zu gehen.
Ich brauche dich und: ich bin für dich da, wenn du mich brauchst. Ich lass mich „brauchen“.
Das ist eine christliche Kernbotschaft.
Denn keiner kann allein gerettet werden, keiner steht allein vor Gott.
 „Gott hat es gefallen, die Menschen nicht einzeln, unabhängig von aller wechselseitigen Verbindung, zu heiligen und zu retten, sondern sie zu einem Volke zu machen.“ schreibt das Konzil in Lumen Gentium, der Kirchenkonstitution.

Wenn ich zurück schaue auf die letzten Jahrzehnte und mir die Frage stelle: hat sich das Wissen einander zu brauchen verstärkt - dann fällt meine Antwort leider negativ aus.
Wir bitten weniger - das Smartphone allein hilft fast immer.
Jeder Verein, jede Kirchengemeinde klagt: wer ist da, um Kinder zu trainieren, wer ist da als Kassier oder Vorstand, wer ist da, die Pfarrbriefe auszutragen. Weniger, immer weniger.
Wenn ich manchen Neubau anschaue, trägt er eine klare Botschaft: Ich brauche niemand auf meiner Insel mit einem Zaun, schwerer als das ganze Haus - und ich will auch nicht, wenn mich jemand braucht.
Es ist ein Virus: ich brauche niemanden.
Donald Trump - der Präsidentschaftskandidat der Republikaner - schreit: Schluß mit Globalization - wir machen Americanization - wir brauchen den Rest der Welt nicht.
England beschließt: Wir brauchen die EU nicht.
Die EU meint: Wir brauchen Zäune, denn wir brauchen keine Asylanten.
Gut: Dumm, darf man nicht sein. Das Beispiel „Karl“ zeigt, dass offene Türen keine Lösung sind.
Aber die Tür zu öffnen, wenn einer dich braucht, das ist unsere Pflicht.
Stoppen wir den Virus.
Bitten wir - ganz bewusst.
Lassen wir uns brauchen.
Wenn wir das nicht mehr können, wie können wir dann zu Gott sagen:
Ich brauche dich. Ich bin da, wenn du mich brauchst.
Wie können wir an einen Gott glauben, der sagt:
Ich brauche dich. Ich bin da, wenn du mich brauchst.




2016-06-28

13.Sonntag im Jahreskreis - nicht zurückschauen und IS

Vordergründig nimmt uns der Islamische Staat die Jesusworte weg:
seine Werbung:
Schaut nicht zurück, verlasst euere Eltern und Freunde, legt den Hand an den Pflug und schaut nicht zurück und ihr werden das Land erben - das Glück dazu (wenn schon nicht hier dann bei diversen Jungfrauen)
aber: 
dort geht es um Eroberung strategischer Punkte - im Christentum um die Eroberung von Herzen.
dort geht es um die Zerstörung von Kunst und Kultur, die dem Glauben nicht zu entsprechend scheint - im Christentum um die Bereitschaft, sich von Kunst und Kultur herausfordern zu lassen und sie auch selbst herauszufordern.
dort geht es um die Zerstörung des Fremden - im Christentum um Liebe.

im Evangelium stellt Jesus selbst klar:
die Stadt, die uns nicht will, darf keineswegs mit Bomben und Granaten vernichtet werden ("Feuer"), wie es zwei Jünger wollen - Jesus geht weiter.

2016-06-16

Hand an den Pflug (Lk 9)

Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes. Lukas 9, 62 - Evangelium vom 13. Sonntag i.J./C
Warum also nicht zurückschauen? Jeder, der jemals gepflügt hat, kennt die Antwort: weil die Furche nicht gerade wird. Schau zurück und du kommst schief oder springst gar aus der Spur. 

2016-06-15

Über Paulus reden? (Gal 1)

Gal 1,11-19: Lesung zum 10. Sonntag im Jahreskreis:
Über einen Paulus-Text predigen? Dieser leibfeindliche, rechtfertigungsbeflissene, EVANGELISCHE Weltreisende nimmt fast so viel Platz im Neuen Testament ein wie die Evangelien.
Also doch? Zumindest steht er zu seiner Vergangenheit, seinen dunklen Seiten, ist fast stolz darauf. Sonst wäre er nicht geworden, was er war.
Und er geht seine Weg - einen ganz neuen. Kann sich einer vorstellen, was das damals bedeutet hat: Weg von der Bibel, weg von den Geboten, weg vom Sabbat, weg von der Beschneidung, weg von Jesus.