2017-07-10

14. Sonntag i. J.: Christentum für Unfertige

Den Unmündigen offenbart!
Sind wir Christen also doch dumm. Nein, denn unmündig ist nicht dumm.
Unmündig heißt nur: dir hört niemand zu.
So ging es zur Zeit Jesu den Frauen, den Randgruppen, den Kindern.
Und Jesus gibt ihnen Perspektive - die Botschaft vom Reich Gottes -  und sieht Ihre Würde.
Aber unmündig kann man auch anders übersetzen: mit unfertig.
Schriftgelehrte waren nicht unmündig. Wenn sie Jesus folgten, dann weil sie ahnten: Wir sind noch nicht fertig mit unserer Sehnsucht. Und auch sie finden mit Jesus neue Perspektiven für ihren Glauben.
Die Unfertigen und Unmündigen scharen sich um Jesus.
Heute auch!
Die Unmündigen, die nicht gehört werden: Heute beispielsweise Menschen in Ländern der sogenannten 3. Welt.
Die Unfertigen: das kann jeder von uns sein, wenn er es nur sieht:
Unfertig, voller Zweifel, sehnsuchtsvoll, Freundschaft und Liebe suchend, auf dem Weg, tastend, gehend, verloren.
Wir haben einen Papst, der weiß und sagt, dass die Kirche aus genau solchen Unmündigen und Unfertigen besteht und dass sie für sie auch da ist.
Die Kirche als Feldlazarett für die Verletzten.
Mitten im pilgernden Volk Gottes.
Zweifel, Kritik, Fragen gehören dazu so wie Sehnsucht und Hoffnung.
Es gibt die Meinung, Papst Franziskus sei also ein schwacher Papst und Theologe.
Aber genau deshalb ist er ein starker Papst und Theologe: Weil er die Botschaft des 2. Vatikanischen Konzils vom pilgernden Volk Gottes lebt und von der Solidarität in diesem Volk als Prinzip von Kirche.
Schwache Theologen  - manchmal gehören Kardinäle dazu  - sind solche, die vor Verletzungen, vor Kritik, vor Zweifel Angst haben; die nur Ja und Nein kennen; die Grauzonen nicht aushalten.
Ich möchte mit einem Loblied enden:
Ein Loblied auf alle Zweifelnden,
auf alle Suchenden,
auf alle von Sehnsucht erfüllten,
auf alle, die versuchen zu lieben,
auf alle Unmündigen und Unfertigen,
denn sie sind offen für das Wort Gottes.