Evangelium nur bis zur Weissagung des Simeon (Lk 2, 22 -35) gelesen.
Schwestern und Brüder,
Simeon zerstört das traute Bild der Weihnachtszeit mit seiner Weissagung: Ein Schwert wird durch deine Seele dringen.
Mir scheint das ziemlich verharmlosend - nur ein Schwert.
Mir scheint das ziemlich verharmlosend - nur ein Schwert.
In Bildern erscheint Maria manchmal mit 7 Schwertern - erinnernd an die 7 Schmerzen Marias.
Und das ist noch alles untertrieben. Man müsste von 100 Schmerzen reden, von einer Unzahl von Enttäuschungen, seelischen Verletzungen und Beleidigungen in ihrem Leben mit Jesus.
Jesus entzieht sich bei der Wallfahrt, er beleidigt sie bei der Hochzeit von Kana. Er macht ihr das Leben mit der Verwandtschaft und den Nachbarn kompliziert. Denn er weist sie zurück.
Er führt nicht das Leben, das sie sich als Mutter wohl erwartet hätte: Keine Frau aber viele Freundinnen, keine Enkel natürlich. Er wird nicht anerkannt von den Kreisen, die etwas gelten - auch bei ihr etwas
gelten - und oft scheint es ihr, als wäre ihm das auch ziemlich gleichgültig, weil er sich gerade mit solchen abgibt, die nichts gelten. Und vom Sterben Jesus gar nicht zu reden.
Um einen Satz aus einem Lied von Leonard Cohen zu zitieren:
Love is not a victory march - Die Liebe, Das Leben - das ist hier ziemlich austauschbar - ist für sie kein Siegesmarsch, kein Siegeszug.
Das ist zu offensichtlich, auch wenn die Evangelien gelegentlich versuchen, das zu schönen.
Wenn wir heute auf dieses Jahr 2017 zurückschauen: es war kein Siegeszug.
Natürlich gab es wohl für jeden schöne, beglückende Augenblicke und Erfahrungen. Aber auch: zuviel traurige Nachrichten, zuviel Enttäuschungen, zuviel Verletzungen.
Mir kommt es allerdings so vor, als würde Sylvester meist genauso gefeiert, eben als feierte man einen Siegeszug nach einem einjährigen Kampf. Juhu, wir leben noch. Es hat Verletzte,
vielleicht auch Tote gegeben - aber wir leben.
Das Jahr als Siegergeschichte gesehen.
Wir Christen können da nicht mitmachen. Wir können die Opfer, die Verwundungen, die Schmerzen nicht vergessen.
Aber wie ist das auszuhalten ohne nur noch traurig zu sein.
Schauen wir nochmal auf Maria. Sie lebt ihr schwieriges Leben in grenzenlosem Vertrauen in die Nähe Gottes. Und sie erfährt diese Nähe auch. Zum Beispiel durch den tröstenden
Zuspruch des Simeon im heutigen Evangelium. Sie erfährt diese Nähe durch Freundinnen und Freunde - wie Elisabeth. Sie erfährt diese Nähe am radikalsten durch das leere Grab, durch das Ja Gottes zu ihrem
Sohn.
Und so sollten auch wir auf dieses Jahr zurückschauen: Wo haben wir Trost und Segen bekommen und gegeben. Wo haben wir Gemeinschaft erlebt im Namen Gottes. Wo haben wir geliebt und
Liebe erfahren. Wo haben wir die Nähe Gottes gespürt. Allem Schrecklichem zum Trotz.
Und genauso sollten wir auch vorausschauen in dieses Neue Jahr.
Und obwohl wir wissen, wieviel Schlimmes geschehen wird, getröstet weiter gehen.
Oder um nochmals Leonard Cohen zu zitieren - aus seinem bekannten Lied „Halleluja“, das inzwischen tausend verschiedene Texte bekommen hat, also aus seinen Texten: love is not
a victory march,
aber:
And even though it all went wrong
I'll stand before the lord of song
With nothing on my tongue but hallelujah
I'll stand before the lord of song
With nothing on my tongue but hallelujah
frei übersetzt:
Und wenn alles schief geht, und wenn alles zerbricht,
hier stehe ich vor dem Herren, hier stehe ich vor dir, Gott,
und mir kommt nichts mehr über die Lippen als dieses eine Wort: Halleluja,
Gelobt seist du, Gott.
CD - Schluss des Hallelujas von Cohen - abspielen.
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